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Prag Rallye 2002

Prag-Rallye des AC Kulmbach am 23. und 24. März 2002

Früh aufstehen war angesagt am 23. März, denn bereits für 6.30 Uhr war die Fahrerbesprechung in Kulmbach angesetzt. Und vorher musste ja noch Papierabnahme und technische Abnahme erledigt werden. Auch für einen kurzen Kaffee sollte ja noch Zeit sein.
Punkt 7.01 Uhr nahm dann das erste der leider nur 34 Teams das Abenteuer Prag-Rallye 2002 unter die Räder. Die Organisatoren des AC Kulmbach hätte für diese Veranstaltung auf alle Fälle mehr Starter verdient gehabt. Am Start wurde das Bordbuch mit insgesamt 109 Einträgen ausgegeben. Die meisten Verbindungsetappen wurden nach kilometrierten Chinesenzeichen gefahren. Die Ausrechnung der zur Verfügung stehenden Zeiten obliegt dem Teilnehmer, da vom Veranstalter nur Fahrtstrecke und Durchschnittsgeschwindigkeit angegeben sind.
Gerade in den ersten Etappen kam doch etwas Hektik auf, da in den vier Minuten bis zur ersten Zeitkontrolle (ZK) die Zeit errechnet werden musste, drei Aufgaben zu lösen und auch noch 11 Chinesenzeichen zu fahren waren. Nach der ZK 1 die erste Wertungsprüfung (WP), eine Sprint-Prüfung über einen knappen Kilometer. Gut einen Kilometer weiter bereits die zweite ZK und WP. Wiederum nach drei Kilometern ZK 3 und WP 3.
Nach dem Ziel der WP 3 begann dann die erste Orientierungsetappe (OE) über 25 Kilometer. Die Zeiten auf den OE’s waren vorgegeben, mussten aber zu den selbst errechneten Etappenzeiten hinzuaddiert werden. Saubere Kartenausschnitte mit eingezeichneten Pfeilen und 6 Chinesenzeichen stellten noch keine so große Anforderungen, waren aber zum warmfahren genau richtig.
Nach der OE noch 4 Kilometer Verbindungsetappe zur ZK 4 und anschließend die WP 4, eine Berg-Prüfung über 980 Meter. Auf den folgenden knapp 20 Kilometern Verbindungsetappe konnte man erstmals ein bisschen durchschnaufen. Dann aber war wieder Orientierung über 62,4 Kilometer angesagt. Die letzte größere Aktion vor der Grenze. In dieser OE ging es dann schon mehr zur Sache. Neun astrein kopierte Kartenausschnitte mit eingezeichneten Pfeilen und Punkten wurden abverlangt. In Kopie 8 dann der einzige Knackpunkt der Veranstaltung. Einige Teams fanden zwischen zwei Pfeilen einen kürzeren Weg als der vom Veranstalter beabsichtigte. Das Problem wurde jedoch im Ziel von Fahrtleiter Rudi Schöpf und Sportkommissar Josef Limmer souverän gelöst und mit der neu gefundenen Streckenführung zeigten sich alle Teilnehmer einverstanden. Nach weiteren 44 Kilometern Verbindungsetappe ging es am Grenzübergang Mähring in die Tschechische Republik.
Nach der Grenze waren 80 Kilometer bei freier Streckenwahl zu fahren. Durch die 11 gestellten Aufgaben des Veranstalters, deren Standort mittels Pauspapier in die Karte einzutragen waren, war die Streckenwahl dann doch nicht so ganz frei. Einige dieser Aufgaben, bei denen meistens Jahreszahlen oder sonstige Daten von Kapellen und weiteren örtlichen Gegebenheiten eingetragen werden mussten, hatten es in sich, und so gab es nur wenige Teilnehmer die alle insgesamt 20 Aufgaben richtig gelöst hatten.
Die WP’s 5 und 6 sollten als zusammenhängende Gleichmäßigkeits-Prüfungen in einem Rundkurs gefahren werden. Durch das fehlende WP-Startschild an der Einfahrt zur WP 5 übersahen doch viele Teams die Start-Lichtschranke und so musste diese WP nachträglich neutralisiert werden. Vom Start der WP 6, der auch gleichzeitig das Ziel dieser WP war gab es dann einen Rundkurs von 8,20 Kilometern Länge und einer vorgegebenen Zeit von 9 Minuten und 43 Sekunden. Zu schaffen war diese Zeit locker, man musste nur sekundengenau über die Ziellinie fahren, durfte aber 200 Meter vor dem Ziel nicht mehr anhalten.
Auch in der Tschechischen Republik waren noch zwei Orientierungsetappen über insgesamt 143,60 Kilometer zu fahren. Probleme gab es bei diesen Etappen aber meistens nur mit dem ungenauen Kartenmaterial (aber blitzsaubere Kartenkopien) und der unzureichenden Ausschilderung in den Ortschaften. Genaue Maßstäbe scheinen für die dortigen Vermessungsämter ein Fremdwort zu sein. Zwischen den beiden OE’s die schönste und auch längste Wertungsprüfung. Die WP 7 und WP 8 wurden zusammengelegt und lediglich durch einen Bremspunkt getrennt. Gewertet wurde aber nur die Gesamtzeit der beiden Prüfungen. Fast 2000 Meter ging es über feinsten Schotter den Berg hinauf.
Nach der OE 4 gingen dann die letzten 25 Kilometer nach kilometrierten Chinesenzeichen direkt zum ****Hotel Diplomat nach Prag. Am Ziel wurden die Teams mit Sekt und Bier empfangen. Nach exakt 428,48 Kilometern Idealstrecke und einer Fahrtzeit von ca. 11 Stunden waren die meisten Teilnehmer doch ziemlich geschlaucht, dennoch herrschte im Ziel eine sehr gute Stimmung und es gab durchwegs positive Meinungen zu der Fahrt.
Nach dem reichhaltigen Abend-Buffet traf sich der Großteil der Teams zum anschließenden Nachtprogramm in der hoteleigenen Sportbar neben der Kartbahn. Auch hier wurde bis spät in die Nacht noch wirklich Sehenswertes !!! geboten. Ebenfalls in der Sportbar wurden in der Nacht noch Idealstrecke und Musterbordkarte ausgehängt. Nach ein paar kleineren Diskussionen war aber dann alles zur Zufriedenheit der Teilnehmer geregelt. Noch etwas unausgeschlafen aber trotzdem bei bester Laune traf man sich am folgenden Morgen zum Frühstücksbuffet.
Bereits ab 8.00 Uhr hingen die Ergebnisse in der Hotellobby. Gesamtsieger der Prag-Rallye 2002 wurden das Team Dieter Hillebrand und Dieter Binzer vom AC Bayreuth auf ihrem Allrad BMW 325. Die NAVC Ori-Wertung gewannen in der Gruppe 1 Gunther Wünsch und Norbert Winkler vom AC Kulmbach, in der Gruppe 2 siegten Hans Lang und Markus Lang, die ebenfals für den AC Klumbach an den Start gingen.  Da es gegen die Auswertung keinerlei Einsprüche gab, konnte man dann gegen 10.15 Uhr zur Siegerehrung schreiten. Schöne Pokale und auch in überdurchschnittlicher Anzahl, sowie ein kleines Biergeschenk der Kulmbacher Brauerei für jeden Teilnehmer rundeten die Veranstaltung noch positiv ab. Für die Wertung zu den NAVC-Meisterschaften wurde eine eigene Klassifizierung ohne Wertungsprüfungen erstellt. Auch für diese Sonderwertung wurden noch zusätzlich sehr schöne Pokale vergeben. Einziger Wehrmutstropfen der Siegerehrung war die Ankündigung des Fahrtleiters Rudolf Schöpf die Prag-Rallye im nächsten Jahr nicht mehr durchführen zu wollen.
Es wäre sehr schade wenn diese Veranstaltung 2003 nicht mehr in unserem Terminkalender erscheinen würde. Denn eine Top-Organisation zeichnet die Prag-Rallye von Anfang bis Ende aus. Egal ob Orientierungsetappen, Wertungsprüfungen oder Verbindungsetappen. Alles war durch einwandfreie Fahrtunterlagen sauber und flüssig zu fahren. Der Zielempfang, die Übernachtung im ****Hotel, das Abendprogramm, die Siegerehrung usw., alles positive Erlebnisse. Freilich werden den Teams einige Euro abverlangt, aber man muss realistisch entgegensetzen was man für sein Geld alles geboten bekommt, und auch einmal mit den Kosten  und Leistungen von anderen Motorsportveranstaltungen vergleichen. Für den Verfasser dieses Berichts ist die Prag-Rallye eines der letzten noch finanzierbaren Motorsport-Abenteuer.
Mit einem Satz gesagt:
“Wer nicht dabei war hat wirklich was versäumt”.

Bericht Jürgen Volkmer